Leiden Kinder unter veganer Ernährung?

Viele Menschen sagen, ein vegan ernährtes Kind würde einem Zwang unterliegen oder halten diese Art der Ernährung für extrem.


Grundsätzlich gilt: Jeder Mensch, der sein Kind auf irgendeine Art ernährt, zwingt ihm seine Ernährung auf. Das ist dann kulturell auch völlig unterschiedlich. Kinder in Asien werden anders ernährt als Kinder in Südamerika, Europa, Afrika etc. Überall gibt es unterschiedliche Essgewohnheiten.
Wenn man nun aus den allgemeinen Essgewohnheiten seiner Umgebung austritt und auch sein Kind dementsprechend ernährt, wird das häufig als extrem bezeichnet. Viele meinen, das Kind würde darunter leiden. Man solle doch seinem Kind nichts aufzwingen, es dürfe erstmal alles essen und sich später dann gerne entscheiden, ob es sich vegan ernähren möchte. Indem ich mein Kind aber alles essen lasse, bringe ich ihm schon bei, dass dieses Essen tatsächlich auch das gute Essen ist.
Ich sehe mich da gerne als Bärenmama, die ihrem Bärenkind zeigt, was das richtige, das artgerechte, gesunde Essen ist. Wenn ich meinem Kind aber das Essen anbiete, das ich selbst für schlecht halte, lernt es natürlich nur das Gegenteil und denkt, das Essen wäre gut und gesund. Das Kind muss sich dann später erstmal dafür interessieren und sich mühsam in die Materie einlesen, um das Essverhalten zu ändern. Umso schwieriger wird dieser Prozess, weil wir auch emotional an dem Essen hängen, das wir als Kind bekommen haben.
Deshalb sage ich: Ich ernähre mein Kind vegan und später kann es sich dazu entschließen, auch Tierprodukte zu essen. Dieses Szenario wird wahrscheinlich nicht eintreten, aber das kann ich auch nicht beeinflussen. Ich kann meinem Kind erklären, warum wir das so machen und nicht anders. Für mich ist das die klarste, offenste und ehrlichste Art, mit meinem Kind umzugehen.

Bestimmte Tiere werden, immer abhängig von der Kultur, gegessen. Hier bei uns beispielsweise Lamm, Kuh, Schwein etc. In anderen Kulturen werden aber ganz andere Tiere gegessen, die man hier auf keinen Fall essen darf. Und an dieser Stelle hakt das Argument, ich müsste mein Kind in Sachen Ernährung alles probieren lassen. Nein, ich muss nicht alles, was es auf dieser Welt gibt, mal in meinen Mund gestopft und durch meinen Körper geschleust haben, und mein Kind muss das auch nicht.
Woanders werden Ameiseneier, Kuhzunge, Krokodil, Känguru und Hund gegessen. Sachen, die man bei uns ja eigentlich gar nicht essen dürfte und die den Kindern wiederum auch nicht angeboten werden. Sie kriegen dann Kuh, Schwein und Huhn aber eben kein Känguru und kein Krokodil. Jede Ernährungsart hat ihre Richtlinien und ihre Schranken, die sagen, was man essen kann und was nicht. Die ehrlichste Art für mein Kind ist, ihm zu sagen, dass wir keine Tiere essen, keine Tiere quälen oder töten und der Kuh ihr Kälbchen nicht unseretwegen weggenommen wird. Es wäre heuchlerisch, mit meinem Kind in Büchern die niedlichen Küken anzuschauen und am nächsten Tag die Eier in die Pfanne zu hauen, für die die Küken zerschreddert werden. Wie sollte ich meinem Kind das erklären? Der beste Weg ist in meinen Augen, Tierprodukte einfach nicht zu konsumieren.

Kinder würden auch nicht am Euter einer Kuh nuckeln, wir würden das auch nicht. Es ist doch viel schöner zu sehen, wie ein Kälbchen am Euter seiner Mutter trinkt. Würden sie sehen, wie das Kälbchen der Mutter weggenommen wird, um die Milch abzuzapfen, würden sie wahrscheinlich keine Milchprodukte essen wollen.

Ein anderer Faktor ist natürlich auch, dass Tierprodukte krank machen. Das Kind vertraut darauf, dass ich, die Bärenmama, ihm das gesunde Essen anbiete. Das Kind selbst kann das noch nicht überblicken. Wenn ich ihm Gummibärchen aus Gelatine oder Chicken Nuggets mitbringe, weiß es nicht, aus was sie gemacht sind. Natürlich schmeckt es ihm, es weiß ja auch nicht, was es ist. Tofu oder Fleisch? Das merkt das Kind ja gar nicht. Es hat einfach ein gewürztes Stück oder, Beispiel Gummibärchen, ein buntes, süßes Teil vor sich liegen, aber woraus die Sachen gemacht sind, kann man ja gar nicht mehr erkennen.
Deswegen ist dieses Argument, die Kinder müssten alles mal gegessen haben und würden es ja auch freiwillig essen, einfach hinfällig. Klar essen sie es freiwillig, sie wissen ja nicht, was sie da essen.
Das Kind würde nie den Hasen, die Kuh, das Schwein oder das Huhn anbeißen. Wenn ein Tier tot vor ihm liegen würde, käme kein Kind auf die Idee, da reinzubeißen. Das ekelt auch die Erwachsenen an, niemand würde auf die Idee kommen. Oder Gelatine aus Sehnen und Knorpeln. Eine ekelhafte Vorstellung, kein Kind würde das essen wollen. Wenn es aber in Bärchenform gepresst wird, mit Farbstoffen, Zucker, Aromen und lustigen Kindern auf der Verpackung, macht es natürlich Spaß, Gummibärchen zu essen.
Klar, es gibt auch Gummibärchen ohne Gelatine, aber ich versuche, meinem Kind nicht gleich die große Bandbreite der Süßigkeiten beizubringen. Mein Kind ist zwei Jahre alt, es muss nicht bei jedem Gang in den Park ein Eis, Gummibären oder Schokolade essen. Das versuche ich generell wegzulassen.

Deshalb kaufe ich auch gerne in Bio-Läden, da habe ich diese Probleme nicht, da gibt es keine bunten Tüten mit Bärchen drauf. Auch dort gibt es natürlich Süßigkeiten, die sind aber nicht so aufgemacht, dass jedes Kind da unbedingt etwas von haben möchte. Meine Tochter kennt auch dort gewisse Arten von Schokolade, die wir vielleicht schonmal gekauft haben und die möchte sie dann manchmal auch haben. Es ist aber auch kein großes Problem, wenn wir sie dann nicht kaufen. Es gilt aber immer: Einmal gekauft, merken es sich die Kinder sofort und möchten es auch wieder kaufen. Deshalb versuche ich bei den Süßigkeiten, nicht immer neue Sachen auszuprobieren.
Ein Beispiel dafür: Mit Johanna war ich immer in einem bestimmten Park, in dem es auch ein Café gibt. In dem Café waren wir aber nie und Johanna wusste auch nicht, dass es das gibt. Irgendwann fing es mal an zu regnen, wir haben uns im Café in einen Strandkorb gesetzt und ich habe ihr eine Laugenbrezel gekauft. Seitdem weiß sie, dass es dort die Brezeln gibt und jedes Mal, wenn wir da vorbei gehen, rennt sie über die Wiese zum Café und möchte unbedingt eine Brezel essen. Sobald man das mal anfängt, wollen die Kinder das immer wieder haben und schon hat man den Salat. Wenn ich also nicht im Supermarkt süße Getränke und Süßigkeiten kaufe, dann gibt es auch kein Gequengel.

Ich ernähre mich selbst und meine Tochter zu hundert Prozent vegan und mache auch keine Ausnahmen. Würde ich Ausnahmen machen, könnte mein Kind das ja auch nicht verstehen. Warum durfte es gestern gewisse Sachen essen und heute plötzlich nicht? Das ist für ein Kind nicht greifbar. Ich möchte manche Sachen nicht essen und ich möchte auch nicht, dass mein Kind sie isst, deshalb ist es einfacher, wenn ich es gar nicht erst zulasse.

Ich hoffe, ich konnte Euch mit meinen Tipps und Ratschlägen helfen und freue mich, wenn Ihr mich abonniert. Da bekommt Ihr drei Rezepte und ein Essenstagebuch.
Bis zum nächsten Mal!

Liebe Grüße, Eure Anja

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4 Comments

  1. Das war ein schöner Text und als Engländer lese ich Deutsch nicht so leicht. Es hilft mir sehr, wenn ich das Thema interessant finde.

    Ich habe auch dein Video über die Veganischen Markt bei Alexanderplatz zugesehen. Morgen ich auch mal hin. Vielleicht bringe ich meiner drei jährigen etwas leckeres nach Hause!

    Viele Grüße
    Craig

    • AnjaFrenzel

      Hallo Craig,
      vielen Dank für Dein liebes Kommentar! Warst Du noch auf dem fest am Sonntag? ich hoffe erst nachmittags bei Sonne (-:

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