Vorbild sein beim Essen- wie geht das?

Heute geht es um das Thema „Vorbild sein beim Essen“. Wir denken ja immer, unser Kind möchte dies und jenes essen, aber woher kommt denn dieses Verlangen eigentlich?


Wir bringen unseren Kindern das Essen bei, wir zeigen ihnen, was das richtige, gesunde Essen ist. Wie ich schonmal im anderen Video gesagt habe: Ich sehe mich immer als Bärenmama, die ihrem Bärenkind zeigen muss, was das richtige Essen ist.

Deshalb müssen wir uns selbst immer zurückhalten mit Sachen, bei denen wir nicht wollen, dass unsere Kinder sie essen. Wenn ich beispielsweise Süßigkeiten essen möchte, dann mache ich das abends oder beim Mittagsschlaf, damit Johanna das nicht mitbekommt.
So ist das auch, wenn man draußen ist. Überall wo man hinkommt, wird einem Essen vorgeführt. Selbst wenn man auf dem Spielplatz ist, fährt nebenan im Park noch der Eiswagen herum, damit man beim Spielen doch bitte noch ein Eis kauft. Kinder, die das so kennen, möchten natürlich auch immer wieder Eis kaufen. Mit Johanna dagegen habe ich noch nie Eis beim Eiswagen gekauft und deshalb möchte sie auch nie welches. Ich glaube auch, sie weiß überhaupt nicht, dass es dort Eis gibt. Wenn wir es aber selber gar nicht ertragen, nur mit unseren Kindern zu spielen, ohne ständig etwas konsumieren zu wollen und ins Café zu rennen, dann möchten die Kinder das natürlich auch ständig.
Die Geschichte hatte ich schonmal in einem anderen Video erzählt: Ich war mit Johanna einmal bei Regenwetter im Parkcafé, wo wir uns in einen Strandkorb gesetzt und Laugenbrezeln gegessen haben. Seitdem möchte sie immer, wenn wir daran vorbeikommen, im Strandkorb sitzen und Brezel essen, läuft schon teilweise schnell über die Wiese zum Café, wenn sie es sieht. Ich mache das aber nicht immer und das ist dann auch okay. Einmal gabs Tränen, da hatte ich aber auch überhaupt kein Geld dabei, es ging also gar nicht anders. Es ist aber jetzt die große Attraktion im Park, vorher waren es andere Sachen. Deshalb versuche ich, gar nicht erst den Eiswagen, das Parkcafé und sonstige Sachen zu besuchen, denn sonst möchte Johanna da natürlich ständig wieder hin. Und wenn ich Currywurst essen würde, die es ja mitunter auch im Park gibt, möchte mein Kind auch Currywurst essen. Es denkt, das wäre das richtige, gesunde Essen, ich bringe es ihr ja so bei.
Das merkt man ja im Austausch mit Menschen, die nicht vegan sind. Die verteidigen ihr Essen, was in ihren Augen richtig und normal ist, mit allem, was sie haben, denn ihre Eltern haben es ihnen ja so beigebracht. Um auf die Idee zu kommen, dass es nicht normal ist, muss man sich erstmal damit beschäftigen.
Gleiches gilt dann für die Getränke. Wenn ich ständig Capri-Sonne und Cola trinke, möchte mein Kind das auch. Johanna trinkt ausschließlich Wasser. Ich habe auch nichts anderes, weil ich selber keine Säfte oder Limonaden trinke. Wenn ich doch mal was haben sollte, nippt sie auch gerne daran, aber sie möchte es nicht unbedingt trinken. Frisch gepressten Orangensaft haben wir manchmal, das macht Johanna dann auch Spaß, die Orangen auszupressen. Aber auch davon trinkt sie keine riesigen Mengen.
Ich hatte mal den Fehler gemacht, mit Johanna Schokolade zu kaufen und hatte dann selbst Lust darauf, sodass ich sie noch im Auto aufgemacht habe. Seitdem möchte sie auch immer wieder im Auto Schokolade essen. Schon nach ein paar Mal ist das bei ihr hängen geblieben. Wenn man dann irgendwann merkt, dass es schlecht ist und sie stattdessen etwas Gesundes essen soll, muss man schon wieder dagegenhalten. Wenn man ruhig bleibt und es dem Kind erklärt, ist es aber meiner Erfahrung nach auch kein allzu großes Problem.
Wenn wir also unseren Kindern schon nicht artgerechte Sachen „voressen“, also verarbeitetes, stark gesüßtes oder gesalzenes Essen, denken sie, das wäre normal und es wäre das gute Essen und möchten diese Sachen dementsprechend auch. Deswegen gehe ich inzwischen im Park auch nicht mehr in Cafés oder zum Eiswagen. Sonst würde Johanna das auch immer wieder wollen. Für mich selbst ist es ja auch besser. Ich frage mich immer, warum man nicht einfach mal im Park sein kann, ohne ständig etwas zu konsumieren. Nicht nur das Kind profitiert davon.

Zum Essen haben wir auch immer eine emotionale Bindung, jedes Essen hat ein gewisses Image bei uns, durch die Werbung oder die Familie. Auch hier wieder ein kurzes Beispiel: Ich kannte mal jemanden, der in einem fremden Land gearbeitet hatte, weg von der Familie und ohne richtigen Freundeskreis. Er ist dann immer wieder mal nach Hause gefahren und hatte dann von der Mutter irgendwelche gebackenen oder gekochten Sachen mit zu sich genommen. Eine Art Fleischkuchen oder Fleischbrot aus einer Kastenform. Das hatte er dann schon zum Frühstück gegessen und dabei die Augen geschlossen, was in meinen Augen nach dem totalen Heimweh aussah. Da ist mir schon aufgefallen, wie wir unser Essen eigentlich mit unserer Familie, unserer Heimat verbinden und welche Erinnerungen das in uns hervorrufen kann. An mir selber merke ich das auch. In meinem kommenden e-Book wird es ein Kapitel geben, das „Oma-Rezepte“ heißen wird, weil ich noch so viele Rezepte von meiner Oma habe, die mich immer wieder an sie erinnern. Wenn ich Sachen daraus zubereite und sie esse, kommen unglaublich viele, schöne Erinnerungen an meine Großmutter hoch, obwohl das mit dem Essen an sich ja gar nichts zu hat. Ich merke immer mehr, wie ich mein Essen mit bestimmten Dingen aus meinem Leben verbinde. Bei meiner Tochter versuche ich zu verhindern, dass sie schöne Erinnerungen an eigentlich schlechtes Essen bekommt, sonst würde sie das ja immer wieder essen wollen. Diese schönen Erinnerungen, Liebe, Geborgenheit, Wärme, möchte man durch das Essen wieder hervorholen, wenn es einem gerade nicht so gut geht. In solchen Momenten essen die Menschen auch häufig deutlich mehr und nehmen an Gewicht zu. Das hängt auch damit zusammen, dass man diese Mutterliebe, die Geborgenheit „zu sich nehmen“ möchte, was durch die vielen Erinnerungen durch das Essen geschieht.
Ähnlich ist das mit Belohnungen oder Trost durch das Essen. Wenn Johanna traurig ist, dann spreche ich mit ihr, tröste sie, aber stopfe sie dann niemals mit Süßigkeiten oder anderem zu. Eigentlich will man das Kind dadurch auch nur ruhig stellen. Natürlich gebe ich ihm dafür kein Stück Broccoli, sondern eher Schokolade oder ein Eis, worüber sich das Kind dann freut, weil es diese Sachen nicht jeden Tag bekommt und es etwas Besonderes ist.
Davon kann ich aber nur abraten. Dadurch bekommt das Kind nur den Impuls, in emotionalen Situationen immer essen zu müssen.

Kinder bemerken verschieden Süchte ja auch bei den Eltern, ob Kaffee, Zigaretten oder Zucker. Gerade die Zuckersucht äußert sich ja in vielen Produkten. Ich habe mir mal in einem Discounter sämtliche Brotsorten angeschaut und kein Brot gefunden, in dem nicht irgendein Zuckerstoff vorkommt. Zucker steckt im Brot, in Fertigsachen, den meisten verarbeiteten Sachen. Jedenfalls merken unsere Kinder natürlich immer, wenn wir etwas genießen. Bei mir ist das die Schokolade. Da habe ich den Verzehr schon eingedämmt, esse sie nur noch ganz selten. Aber trotzdem: Wenn ich eine Tafel Schokolade habe, dann esse ich auch die ganze Tafel. Meine Tochter sieht, wie ich die Schokolade esse und isst dann auch ein Stück nach dem anderen. Dadurch esse ich die Schokolade nur noch schneller, damit sie schneller verputzt ist und meine Tochter nicht noch mehr davon essen kann. Um zu vermeiden, dass sie solche Sachen nachmacht, habe ich bei mir den Verbrauch schon weit runtergefahren. Dadurch bringe ich ihr das ungesunde Essverhalten gar nicht erst bei und sie gewöhnt sich nicht daran.
An Festtagen ist es auch schwierig. Da backen dann alle ganz besondere Sachen, es gibt Kuchen, Braten und Frittiertes, fettes und zuckerhaltiges Essen. An Kindergeburtstagen werden teilweise ungeheure Mengen an Süßigkeiten verteilt, die Kinder gehen danach mit Tüten voller Bonbons nach Hause, ich kann mich da auch noch gut an meine eigenen Geburtstage erinnern. Auch da bringen wir den Kindern wieder bei, dass diese Sachen das besondere und besonders gute Essen sind. Dabei hätten die Kinder auch einen wundervollen Geburtstag, wenn wir ihnen leckere Obstteller hinstellen würden. Aber das macht natürlich mehr Arbeit und wahrscheinlich ist es auch teurer. Der letzte Geburtstag meiner Tochter bestand zugegebenermaßen auch nicht nur aus Obstplatten, da hatte ich Muffins und Cupcakes gebacken, aber natürlich gab es auch viel Obst. Eine tolle Idee ist es übrigens, Ananasstückchen mit Zahnstochern neben eine Schüssel mit Kokosraspeln zu stellen. Die Kinder können dann die Ananas auf die Zahnstocher spießen (was Kinder ohnehin immer toll finden) und sie in die Kokosraspeln tunken.
Wenn wir unseren Kindern also an diesen besonderen Tagen immer die Süßigkeiten anbieten, dann entstehen dadurch auch diese emotionalen Bindungen an das Essen. Das sind alles Sachen, die sich sofort bei den Kindern einprägen, mir wird das auch jetzt erst langsam klar. Das eigentlich schlechte Essen, das wir an Feiertagen auftischen, prägt sich das Kind als das besondere Essen ein, das es immer bei schönen Festen gibt. Dabei müsste man beispielsweise Tropenfrüchte bei Geburtstagen und Feiern auftischen, was nämlich in der Tat besonderes Essen ist. Das kriegt man hier nicht so einfach, ist teuer, aber total gesund und schmeckt gut. Stattdessen preisen wir die ungesunde Nahrung als besonders an. Diese Bindungen an das Essen versuche ich gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Viele behaupten, man müsse dem Kind alles zu essen geben, damit es sich daran gewöhnen kann und später nicht total ausrastet, wenn es gewisse Sachen gibt. Diese Leute kommen dann mit den Geschichten an, wo sich Kinder an Geburtstagen so lange den Bauch mit Süßigkeiten voll schlagen, bis sie sich übergeben müssen. Deshalb müsse man solche Sachen von vornherein als normal darstellen. Das ist aber Quatsch. Nach diesem Prinzip müsste ich mein Kind auch an Alkohol gewöhnen, damit es später nicht zum Alkoholiker wird.
Wenn es jeden Tag Süßigkeiten bekommt, dann möchte es das auch jeden Tag und speichert das als die normale Ernährung ab. Genauso verhält es sich mit dem Park und dem Eiswagen. Dazu kommt noch, dass Eis, Kuchen oder Weißmehlbrezeln total leere Kalorien sind, die dem Körper nur die Vitamine entziehen. Mein Kind müsste also noch mehr Obst essen, um das wieder wettzumachen und die verlorenen Vitamine wieder reinzuholen. Anstelle dieser Brezel hätte mein Kind eigentlich etwas Anderes gegessen, das jetzt aber wegfällt. Es nimmt eine bestimmte Menge an Nahrung am Tag auf und für die rezel fällt dann etwas Gesundes weg. Diesen Fall hatte ich neulich erst. Ich hatte meiner Tochter eine Mango aufgeschnitten, die sie unbedingt haben wollte. Dann kam eine Freundin vorbei, die ihrem Kind gerade ein Laugenbrötchen gekauft hat. Daraufhin hat leider das Laugenbrötchen gegen die Mango gewonnen und meine Tochter wollte nur noch das Brötchen essen. „Mal ein Laugenbrötchen“, sagen die Leute dann, „kann man doch mal machen“. Das könnte man ständig sagen. Wenn man sich aber mal anschaut, was die Kinder eigentlich täglich angeboten bekommen, kommt man auf eine ganz schöne Menge an minderwertiger Nahrung. Man muss schon richtig darauf aufpassen. Wenn dann die Leute ankommen, die meinen, man könne dem Kind dieses und jenes doch mal geben, ist mir das egal. Die können sich gerne Süßigkeiten und Laugenbrezeln reinstopfen, aber meiner Tochter versuche ich das ganz gering zu halten. Sie kriegt ja auch manchmal eine Brezel, was für sie dann leider der Höhepunkt ist.

So wie wir Essen mit Emotionen und Stimmungslagen verbinden, tun wir das auch bei bestimmten Aktivitäten. So wird Schwimmen gehen im Schwimmbad oder am See häufig mit Pommes oder Eis verbunden. Ich möchte aber Aktivitäten von Johanna, und vor allem Sport, nicht mit Fast Food verbinden. Als wären Pommes und Eis nach dem Sport eine Belohnung für die Aktivität, wie ein Ritual. Schwimmen an sich macht Johanna Spaß, auch ohne Pommes danach. Ich glaube, dieser Drang kommt auch wieder von uns. Wir kennen das so aus unserer Kindheit oder von anderen Situationen, deshalb musste ich mir das selbst auch erst abgewöhnen, was mir natürlich auch gut tat.

Ich hoffe, der Artikel hat Dir gefallen und freue mich über Kommentare.

Ganz liebe Grüße, Deine Anja

Teile!

2 Comments

  1. Wow, Du machst Dir ja ne Arbeit hier! So lange Videos und dann noch alles parallel getippt? Uff!
    Das Thema ist bei mir hier auch ganz oft an der Tagesordnung… hab hier nämlich öfter meine Halbschwester und ihre 2 Kids vor der Nase, die das genau konträr zu meiner (und Deiner) Einstellung lebt… buäääh.
    Muss ich auch mal drüber bloggen.
    Schade, dass man hier nachfolgende Kommentare nicht abonnieren kann. 🙁 Kannst Du das noch einbauen? Ist das WordPress?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *